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Faulsein
juttarh02

Kreatives Faulsein

 

Pausenlos arbeitet es in meinem Gehirn. Was soll ich tun? Etwas Sinnvolles. Aber was ist heute noch sinnvoll? Meine Sinne sind ausgerichtet, in alle möglichen Richtungen, einen Auftrag zu empfangen: Tu dies, tu das!

Aber da ist niemand. Kein Chef, der mich beherrscht, keine Mutter, die herumkommandiert, kein Arbeitgeber weit und breit.

Wenn ich schreibe, schreibe ich – f√ľr wen eigentlich? Nein, ich schreibe nicht f√ľr mich allein, das w√§re gelogen. Dennoch schreibe ich ohne Auftrag. Und hinten, vorne, neben, √ľber mir lauern unbenannte Zensoren, aus Erfahrungen gespeicherte Auftraggeber, jeder will es anders, so und so oder lieber so – also gut. Ich probiere es. Aber was passiert? Bald schon gebe ich auf, beende das Programm und schalte den Computer aus. Das war es nicht. Wieder ein begonnenes, nie vollendbares Werk.

Originalität sei gefragt auf dem Markt der Literatur. Belohnt wird nachäffendes, wiederkäuendes, brav pflegendes Dienen am Althergebrachten, die Form bewahrend, erhaltend, im Glauben, es gäbe nichts Neues, wirklich Neues mehr, bei all dem, was wir schon vollbracht haben, wir großartigen Menschenaffen mit Hirn und Pfeife.

Was f√ľr Fratzen! Friedenspreistr√§ger mit muffigem Gesichtsausdruck, verbissen, hochn√§sig, platteingesessen. Dass mir blo√ü kein junges Wesen kommt und mir frech den Stuhl unterm Hintern wegzieht!

Aber keine Bange. So fies bin ich nicht. Im Gegensatz zu den Alteingesessenen. Die bieten mir erst gar keinen Stuhl an.

Na, dann eben nicht. Ich kann auch ganz gut auf meinen eigenen F√ľ√üen stehen.

Kennen Sie den?

Ich auch nicht.

Wozu auch?

Und dann dieser Bauch!

Typisch Lehrer.

Von Ehre keine Spur.

Hauptsache, der Leser f√ľhlt sich klein. Lob Lob Lob.

So was Blödes.

Arrogantes Literatengeschwätz!

Pö pö pö.

Vorsicht! Rutschgefahr!

Lobeshymnen sind reich an mehrfach gesättigten Fettsäuren.

√Ąsthetik.

Absolute Kunst. Unantastbarkeit.

Unbrauchbar.

Warum unbrauchbar?

F√ľr welchen Zweck?

Ist das Lesen von welchem Schwachsinn auch immer frei von Zwecken? Von Zecken? Oberstes Ziel: Mehrfachsättigung ungesättigter Eitelkeit!

Praktikum: Buchmesse Frankfurt.

Ohne weiteren Kommentar.

 

Wagen Sie es nicht ein wahres Wort √ľber die Schriftsteller zu verlieren. Sie finden es bestimmt und verweisen Sie zur n√§chsten M√ľllhalde – obwohl sie selbst mitten drin stehen. √úber Verdauungsst√∂rungen wird nicht gesprochen. Desinfektionsmittel f√ľr Sauberkeit.

Krankfurter M√ľllpresse.

Was wäret ihr ohne uns

 

Regenw√ľrmer!

 

© 2002 Jutta Riedel-Henck